Bob - "Lächerlich": Kritik wegen Machata-Sperre

In der Kufen-Affäre um Manuel Machata gerät der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) mehr und mehr ins Schlingern. Wegen der höchst umstrittenen einjährigen Wettkampfsperre für den Ex-Weltmeister hagelt es jetzt auch aus den eigenen Reihen heftige Kritik.

SID
Bob - "Lächerlich": Kritik wegen Machata-Sperre
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Kiriasis kritisiert Verband

Für Rekord-Weltmeisterin Sandra Kiriasis ist der Potsdamer Pilot nur ein "Bauernopfer", das nach dem historischen Olympia-Debakel von den eigentlichen Problemen im deutschen Bobteam ablenken soll. Zudem werden Rufe nach einer Rücknahme der Strafe laut.

"Das, was sie mit Manuel machen, finde ich beschämend und fast schon lächerlich. Das ist ein Ablenkungsmanöver, und es macht den Eindruck, als ob er ein Bauernopfer ist", sagte die nach Olympia zurückgetretene Kiriasis im SID-Interview.

Klub spricht von "Skandalurteil"

Machatas Verein SC Potsdam bezeichnete die Bestrafung des Weltmeisters von 2011 als "Skandalurteil". "Das Verhalten von Manuel Machata war und ist in keinerlei Weise rechtswidrig und kann daher logischerweise auch nicht bestraft werden", sagte Klub-Geschäftsführer Peter Rieger. Auch der Landessportbund Brandenburg stärkte dem Athleten den Rücken. Sollten sich die bisherigen Tatsachen bestätigen, müsse es "eine Rücknahme des Beschlusses" geben, forderte LSB-Geschäftsführer Andreas Gerlach.

Machata, der sich nicht für die Winterspiele in Sotschi qualifizieren konnte, hatte Kufen aus seinem Privatbesitz an den russischen Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Der BSD wertete das als "verbandsschädigendes Verhalten" und belegte den Weltmeister von 2011 mit einer Wettkampfsperre für ein Jahr und einer 5000-Euro-Geldstrafe. Machata will vor dem BSD-Rechtsausschuss Einspruch einlegen. Da der frühere Siegfahrer offensichtlich gegen keine Athletenvereinbarung verstoßen hat, dürfte die BSD-Argumentation einem juristischen Verfahren schwerlich standhalten.

Der Verband beweise mit dem Urteil zudem eine zweifelhafte Doppelmoral, kritisierte Kiriasis: "Ich bin in Sotschi auch mit fremden Kufen aus dem Ausland gefahren und zumindest beste Deutsche geworden. Ich habe also davon profitiert, dass mir ein so genannter 'Vaterlandsverräter' Kufen geliehen hat." Das Verleihen oder Verkaufen von eigenem Material sei in der Szene nichts Außergewöhnliches.

"Auf und wurde rumgetrampelt"

Die wirkliche Aufarbeitung des ersten medaillenlosen Olympia-Auftritts seit 50 Jahren kommt für die Olympiasiegerin von 2006 dagegen viel zu kurz. Ein Grund für das miserable Abschneiden sei auch das schwierige Verhältnis zwischen Athleten und Bundestrainer Langen gewesen.

"Menschenführung, ein Team begeistern - diese Qualitäten habe ich schon vermisst. Man kann eine Truppe, die so am Boden liegt, nicht noch demotivieren. Auf uns wurde richtig rumgetrampelt", sagte Kiriasis. Sie selbst habe sich zwischendurch "wie das alte Mädchen auf dem Abstellgleis" gefühlt.

Als Konsequenz von Olympia müsste ihrer Meinung nach "das Trainerteam neu zusammengesetzt" werden. "Das heißt nicht, dass Christoph unbedingt völlig weg muss. Die Frage aber ist, ob er noch der richtige Mann dafür ist, ganz oben einer Bob-Nationalmannschaft vorzustehen", sagte die neunmalige Weltcup-Gesamtsiegerin.

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